Tschüss Locken… Ach, ist doch scheiße…

Tschüss Locken… Ach, ist doch scheiße…

Nina Kos, Hodgkin, Krebs, Lymphom-1

Vorgestern hat es angefangen. Meine Haare fallen aus. WTF… Natürlich hab ich gewusst, dass sie ausfallen werden, aber das muss doch nicht jetzt schon sein, oder?!?

Heute ist Tag 14 des ersten Zyklus meiner Chemo. Mir gehts soweit gut. Das ist doch schon mal was!

Ich glaub ich geh gleich mal kurz darauf ein, wie das Ganze funktioniert. Ist ja doch recht interessant und vor allem immer wieder unglaublich, was der eigene Körper so abkann. Mein Kalender sagt mir gerade, dass ich heute vor genau drei Wochen das Gespräch mit meinem Arzt hatte, in dem es um das Stadium und die Planung der ersten Chemo ging. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht… Na ja… Auf jeden Fall hab ich, wie ich mir aber auch echt schon gedacht hatte, ein Hodgkin Lymphom im Spätstadium mit so gut wie sämtlichen B-Faktoren, die man so haben kann. Irgendwie war das ja schon immer meins. Den längsten, anstrengendsten Weg den es gibt, den nehm ich! Beide Daumen hoch!

Die Chemo läuft nach einem festen Protokoll ab. Bei mir heißt dieses Protokoll BEACOPP – eskaliert (Stufe 4). Für jeden Tag gibt es eine Übersicht, welche Medikamente ich nehmen muss, an welchen Tagen Chemo ist, usw. Ich muss die ersten 14 Tage täglich Cortison nehmen. Außerdem von Tag 1 bis 7 Chemotabletten. Zusätzlich dazu muss ich an den Tagen 1,2,3 und 8 in die Uniklinik und bekomme da noch verschiedene Chemomedikamente per Infusion. Das ist jetzt nicht alles an Medikamenten, es gibt natürlich was gegen Übelkeit, nen Magenschutz, verschiedene Antibiotika, Psychopharmaka, was man halt so braucht… An den Tagen 15 bis 21 ist dann eine Erholungsphase. Ab ca. Tag 7 werden meine Blutwerte schlecht. Ich bin dann in Aplasie, d.h. mein Immunsystem funktioniert kaum noch, es kann sein, dass mein Blut nicht mehr gerinnt oder ich zu schlapp bin und Transfusionen brauche. Das muss aber nicht so kommen. Auf jeden Fall muss ich mich in dieser Zeit einfach daran gewöhnen, weniger Kontakt zu anderen Menschen zu haben, da mich jeder kleine Infekt umhauen kann. Oh man… Gestern war ich mit Mundschutz beim Arbeitsamt und bei der Post. Schon echt seltsam. Jetzt noch die Glatze, dann würd ich sagen: Läuft bei mir…

Vor genau zwei Wochen wurde ich im Krankenhaus aufgenommen um die ersten Chemoinfusionen dort zu bekommen. Das war auch gut so. Da ich noch nicht annähernd wusste, was auf mich zukommt, hab ich mich da schon sicherer gefühlt. Außerdem waren die Schwestern, Pfleger und Ärzte so lieb, dass hat es mir echt einfacher gemacht. Bis auf Kreislaufprobleme, Übelkeit und Appetitlosigkeit hab ich die Tage aber recht gut überstanden und durfte an Tag 4 wieder nach Hause. Eins hab ich mir aber nicht nehmen lassen:

An Tag zwei hab ich erst mal mitten in die Eingangshalle der Uniklinik gekotzt. Das kam so plötzlich, da war nichts mehr zu machen :)

Na ja, und heute, an Tag 14, sitze ich hier an meinem Blogpost, verbiete mir in die Haare zu fassen, tue es doch immer wieder, hab jedes mal ein neues Büschel Haare in der Hand und versuche zu vergessen, dass ich morgen früh zum Frisör gehen werde um mir eine Glatze schneiden zu lassen. Ist doch wirklich scheiße. Jaaa, ich weiß, das ist nur temporär und dient einem guten Zweck! Dem stimme ich auch zu, voll und ganz. Ist auch total ok, dass ich jetzt unfruchtbar bin. Mit 34, ohne Kinder,… Aber ich WILL gerade meine Haare noch nicht abgeben, weil ich nicht krebskrank aussehen möchte. Jetzt noch nicht. Ich weiß, mich fragt keiner und der Termin ist ja gemacht. Wird halt scheiße morgen…

Auch wenn ich das hier jetzt erst schreibe, hat das nichts mit der Wichtigkeit zu tun, mit der ich es sagen möchte:

Vielen, vielen Dank für die Reaktionen, die tollen Besuche, die lieben Nachrichten, Anrufe, WhatsApp, Karten, Blümchen, Bücher, … Für alles. Dafür, dass ihr da seid und mir sogar, obwohl ihr mich zum Teil gar nicht kennt, total liebe Worte hinterlassen habt. Das hat mir echt geholfen und mich aufgebaut. Ich werde auch jedem antworten. Versprochen. Im Moment hab ich nur einfach mal ein paar Wochen für mich gebraucht um mein Leben wieder zu sortieren. Das ist schon echt in Unordnung gekommen die letzten Monate…

Zwei Menschen, die ich noch garnicht so lange kenne, die mir aber in den letzten Monaten so richtig ans Herz gewachsen sind, muss ich noch ganz besonders danken. Svenja und Sebastian von den Bahrnausen. Vor ungefähr zwei Wochen war ich mit Svenja Bilder machen. Ich wollte nochmal Bilder von mir. Mit meinen echte Locken… Was soll ich sagen. Ich weiß ja, was die beiden für Bilder machen. Geile, halt! Svenja, tausend Dank für die tollen Fotos und dafür, dass du immer da bist. Das gilt auch für dich, Sebastian!

Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Fühlt euch gedrückt!

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