Liebes Schicksal, du bist ein Arschloch!

Liebes Schicksal, du bist ein Arschloch!

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Ich weiß gerade gar nicht, wie ich diesen Blogpost anfangen soll. Ahhh…

Lange habe ich jetzt überlegt, ob ich das hier wirklich auf meiner Seite veröffentlichen möchte oder lieber für mich behalte. Letztendlich habe ich mich aber, wie ihr seht, bzw. lest, dafür entschieden es zu teilen. Ich möchte anderen Menschen in meiner Situation Mut machen, zum Denken anregen und vor allem mir alles von der Seele schreiben, was mich so beschäftigt. Ich finde das befreit unheimlich und das kann ich jetzt gut gebrauchen.

Seit einiger Zeit ist es bei mir auf der Homepage, bei Facebook, Instagram, usw. ziemlich ruhig geworden. Ich hatte ein ziemlich anstrengendes letztes Jahr. Ich war oft lange krank, hatte einen super stressigen Umzug nach Köln und lag dann dort auch erst mal im Krankenhaus. Das alles hat mich davon abgehalten neue Blogbeiträge zu schreiben und Reportagen zu zeigen. Ich wollte das die ganze Zeit tun aber ich konnte einfach nicht. Ich war froh, dass ich alle meine Hochzeiten fertig bekommen habe. An mehr war selten zu denken…

Auch dieses Jahr ging es mir nicht wirklich besser. Ich hab alles an Krankheiten angezogen was so um mich rum schwirrte und konnte mich nur schwer aufraffen Dinge zu erledigen. Sei es privat oder beruflich. Ich hab immer gedacht, dass das letzte Jahr mich einfach ausgelaugt hat und ich erst mal etwas Kraft sammeln muss und dann geht’s schon irgendwie weiter. Dem war nicht so…

Vor einigen Wochen hab ich Knoten an meiner Schulter und unter der Achsel entdeckt. Damit bin ich natürlich sofort zu meiner Hausärztin und die hat mich ins Krankenhaus eingewiesen. Es wurden zwei der Knoten entfernt und als ich den besorgten Gesichtsausdruck meiner Chirurgin beim späteren Gespräch sah, wusste ich irgendwie schon, was jetzt kommt. Und es hat sich bestätigt.

Ich habe Krebs.

Scheiße, ich kann es noch immer nicht richtig fassen. Ich hab schreckliche Angst vor der Zeit die jetzt kommt. Vor der Ungewissheit wie ich alles überstehe, wie es mir gehen wird, davor meine Haare zu verlieren, ach, vor allem eigentlich.

Wovor ich allerdings keine Angst habe, ist zu sterben. Ich hab noch viel zu viel vor in meinem Leben, also ist das keine Option und die Heilungschancen stehen auf meiner Seite.

Ich möchte mein Leben, mit den vielen tollen Menschen um mich herum, die gerade immer für mich da sind, genießen. Ich möchte lachen, tanzen und einfach tun was mich glücklich macht. Und ich will noch viele, viele Fotos machen…

Was ich mir allerdings am sehnlichsten wünsche ist, mal nicht krank zu sein. Seit ich 13 bin habe ich Bulimie und ich dachte immer, dass diese Krankheit, gegen die ich heute noch ankämpfen muss, doch eigentlich für mein Leben ausreicht. Mein Bedarf an schlimmen Krankheiten war schon vor der Krebsdiagnose gedeckt. Nun gut, wie man sieht, kann man sich so etwas nicht aussuchen…

Ich stehe im Moment noch ganz am Anfang. Bald werde ich erfahren, wann die Chemo los geht, wie lange und stark sie sein wird, usw. Ich bin total überfordert aber trotzdem weiß ich, dass ich auch gute Zeiten erleben und Spaß haben werde. Wer mich kennt weiß, dass ich für jeden Mist zu haben bin und das wird auch mit Sicherheit so bleiben.

Ich weiß noch nicht genau, wie oft ich etwas schreiben werde aber ich denke, das ergibt sich. Was ich allerdings schon weiß, ist, dass es auch Fotos geben wird. Der Krebs gehört jetzt zu meinem Leben dazu und auch von dieser Zeit soll es Bilder geben.

Bis ganz bald,

Nina